Veränderte Mediennutzungsgewohnheiten

Der Bedeutungsgewinn von Plattformen wie Facebook, Google, WhatsApp, Snapchat oder Instagram verändert die Art und Weise, wie Nachrichten konsumiert werden. Sie werden immer weniger als gebündeltes Gesamtangebot spezifischer Medienmarken wie 20minuten.ch, watson.ch oder nzz.ch genutzt. Stattdessen nimmt die Bedeutung des entbündelten, sogenannten emergenten Medienkonsums zu.


Schweizerinnen und Schweizer beziehen ihre News überwiegend aus dem Netz. Für 33% der Nutzer sind Newssites und für weitere 10% Social Media heute die Hauptinformationsquelle. Fast die Hälfte der Schweizer, nämlich 43%, bezieht News damit bereits hauptsächlich über digitale Quellen. Damit haben digitale Kanäle das lange Zeit dominierende Fernsehen (31%) als Hauptinformationsquelle überholt.

Dieser Effekt ist bei den jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren noch stärker ausgeprägt: Drei Viertel dieser Altersgruppe beziehen News aus dem Netz. Im internationalen Vergleich erweist sich die Schweizer Bevölkerung als besonders affin für digitale News. Zusammen mit Norwegen (45%) und Schweden (44%) ist die Schweiz eines der wenigen Länder in Europa, in denen Newssites als Hauptinformationsquelle wichtiger als das Fernsehen sind.

Auch die soziale Plattformisierung, d.h. die Nutzung von News via Plattformen von Tech-Intermediären, schreitet rasant voran. Gaben 2017 noch 45% der Befragten an, News regelmässig via Social Media zu nutzen, so sind es 2018 bereits 50%. Knapp ein Viertel der 18- bis 24-Jährigen bezieht Informationen hauptsächlich aus sozialen Medien.

Der Bedeutungsgewinn von Plattformen wie Facebook, Google, WhatsApp, Snapchat oder Instagram verändert die Art und Weise, wie Nachrichten konsumiert werden. Sie werden immer weniger als gebündeltes Gesamtangebot spezifischer Medienmarken wie 20minuten.ch, watson.ch oder nzz.ch genutzt. Stattdessen nimmt die Bedeutung des entbündelten, sogenannten emergenten Medienkonsums zu.

Die Nutzer erhalten via Algorithmen hochdynamische Beitragscluster aus verschiedensten Quellen – professionellen wie nicht professionellen – zugespielt.

Zwar ist in der Schweiz der klassische, markengestützte Medienkonsum im Moment noch ausgeprägt, aber annähernd ein Viertel der Schweizerinnen und Schweizer (23%) konsumieren News bereits vorwiegend emergent über soziale Plattformen, Newsaggregatoren oder indem sie Stichworte in Suchmaschinen eingeben. Am ausgeprägtesten ist der emergente Newskonsum bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren (28%).

Für die traditionellen Informationsmedienanbieter ist diese Entwicklung problematisch. Emergente Mediennutzer bringen News nicht mit den Inhaltsproduzenten, sprich den traditionellen Newsanbietern, sondern mit den Plattformen Facebook, Google und Co. in Verbindung (Kalogeropoulus und Newman 2017). Unter diesem Trend zu «Homeless media» (Marconi 2015) leidet die Markenbindung an traditionelle Newsanbieter. Und dies belastet die ohnehin tiefe Zahlungsbereitschaft für Onlinenews zusätzlich.

Diese Analyse ist Teil des Jahrbuchs Qualität der Medien 2018. Weitere Infos unter www.qualitaet-der-medien.ch oder www.foeg.uzh.ch.